Die 12 Stufen der A-h-A
Gedanken, Überlegungen und Erfahrungen über unser Programm
Die 12 Stufen sind das Herz der therapeutischen Gespräche in unserer Selbsthilfegruppe.
Der erste Schritt auf unserem Weg zur Besserung, bei dem wir begreifen, dass der Alkohol bereits die Kontrolle über unser Leben übernommen hat und wir durch unseren Alkoholkonsum Schaden angerichtet haben.
Es ist keine einfache Aufgabe, zuzugeben, dass wir in diesem Kampf gegen die Sucht vorerst gescheitert sind. Dieses Eingeständnis fällt uns schwer, und das ist verständlich. Unser natürlicher Instinkt rebelliert gegen die Idee, dass wir machtlos sind.
Dennoch ist es von größter Wichtigkeit, die schmerzliche Realität anzuerkennen: Der Alkohol hat unser Denken und unsere innersten Selbst zerstört, und wir sind in den Strudel einer zerstörerischen Sucht geraten. Nur eine höhere Macht kann uns aus dieser Abwärtsspirale befreien. Dieser Bankrott, den wir erleben, ist einzigartig.
Der Alkohol hat sich inzwischen in einen skrupellosen Diktator über unser Leben verwandelt. Er entzieht uns das Selbstvertrauen und untergräbt unseren Willen, uns seinen Forderungen zu widersetzen.
Sobald wir jedoch der Selbsthilfegruppe beitreten, beginnen wir, unsere Machtlosigkeit mit neuen Augen zu sehen.
Die Akzeptanz unserer persönlichen Machtlosigkeit bildet das Fundament für ein erfülltes und sinnvolles Leben, das wir aufbauen können, wenn wir uns entschlossen den Herausforderungen unserer Abhängigkeit stellen und an unserer Genesung arbeiten.
Heute ist der Tag, an dem wir das erste Glas stehenlassen. Heute ist der Start zu unserem neuen Leben.
Es ist heute, an dem wir uns darauf konzentrieren, im gegenwärtigen Moment zu leben, ohne den Versuch, alle unsere Lebensprobleme auf einmal lösen zu wollen. Wir beschränken uns darauf, die Herausforderungen des heutigen Tages zu bewältigen.
Unsere Gedanken sind heute bei der Aufgabe, die vor uns liegt. Wir nehmen wahr, was in diesem Augenblick in unserem Körper passiert und welche Emotionen wir empfinden.
Im Hier und Jetzt können wir Freude, Gelassenheit und innere Harmonie erfahren. Das ist oft leichter gesagt als getan, da wir normalerweise nicht einmal bemerken, welche Gedankenketten in unserem Inneren ablaufen und wie wenig wir von der Gegenwart wirklich mitbekommen.
Heute wird uns bewusst, dass wir uns viel zu lange und zu oft mit der Vergangenheit oder der Zukunft beschäftigt haben. Möglicherweise bedauern wir, dass wir bisher nicht mehr im Hier und Jetzt gelebt haben.
Die 2. Stufe ermutigt uns dazu, uns auf den heutigen Tag zu konzentrieren und die Fülle des gegenwärtigen Moments zu erkunden, um Glück, Gelassenheit und inneren Frieden zu finden.
Es ist leichter gesagt als getan. In unserer Zeit des Alkoholkonsums waren wir oft Schauspieler, Selbstdarsteller, Lügner, Verleumder und suchten ständig nach Ausreden und Schuldzuweisungen.
Aber was bedeutet Ehrlichkeit wirklich? Ist es einfach, anderen gegenüber die Wahrheit zu sagen und nicht zu lügen? Nein, Ehrlichkeit geht viel tiefer. Sie beginnt in unserem Inneren. Sie ist ein Zustand des bewussten Selbstwissens.
Ehrlichkeit bedeutet gleichzeitig, Verantwortung für sich selbst, für unsere Überzeugungen und unsere Meinungen zu übernehmen. Sie erfordert, wachsam zu sein und auf unsere innere Stimme zu hören. Dies ist ein entscheidender Schritt in Richtung Selbstverantwortung.
Ehrlichkeit ist der Schlüssel zum Aufbau von Vertrauen. Genau darum geht es bei der Ehrlichkeit: sich selbst nicht mehr anzulügen und niemand anderen für unsere Probleme verantwortlich zu machen.
Sobald wir dies erkennen, liegt es an uns selbst, unsere Selbstverantwortung und unsere Ehrlichkeit zu nutzen, um aus der Unzufriedenheit und Machtlosigkeit auszubrechen. Es ist der Weg zu einem erfüllten Leben in Aufrichtigkeit gegenüber uns selbst und anderen.
Auf unserer Reise ist die vierte Stufe ein Blick nach innen. Hierbei geht es darum, ehrlich und gründlich zu erkunden, welche Neigungen und Verhaltensmuster uns in der Vergangenheit und auch heute beeinflusst haben.
Wir streben danach, zu verstehen, wie unsere natürlichen Wünsche uns möglicherweise auf falsche Wege geführt haben. Wir möchten auch die Auswirkungen dieses Verhaltens auf uns selbst und auf andere verstehen. Durch die Identifizierung unserer emotionalen Muster haben wir die Möglichkeit, daran zu arbeiten, sie zu korrigieren.
Nüchternheit und Zufriedenheit sind ohne unsere ehrliche und anhaltende Anstrengung kaum erreichbar. Um mit unseren inneren Konflikten umgehen zu können, ist ein starkes und unterstützendes Selbstbewusstsein notwendig.
Diese Erkenntnis entwickelt sich im Laufe der Zeit und die Selbsterkenntnis ist eine kontinuierliche Reise, die nie wirklich endet. Jeder von uns hat das Potenzial zur persönlichen Entwicklung und zum Wachstum, wenn wir ehrlich mit uns selbst und unserer Realität umgehen.
Indem wir unsere Probleme aktiv angehen und versuchen, sie zu lösen, anstatt sie zu verdrängen, werden sie allmählich weniger belastend und bedrohlich.
Das Leben ist ein kontinuierlicher Prozess des Lernens und der Veränderung, und diese Stufe hilft uns, uns selbst besser zu verstehen und an uns zu arbeiten.
Die fünfte Stufe ist zwar anspruchsvoll, aber für unsere Nüchternheit und unseren inneren Frieden unerlässlich.
Das Konzept der Beichte, unsere Fehler ehrlich zuzugeben, ist uralt und hat vielen Menschen geholfen, nüchtern zu bleiben. Ohne den mutigen Schritt, unsere Fehler einzugestehen, gelang es nur wenigen, dauerhaft abstinent zu leben.
Welche Vorteile bringt uns die fünfte Stufe?
Durch das offene Eingeständnis unserer Fehler überwinden wir das Gefühl der Isolation. Wir erfahren Vergebung, sowohl von anderen als auch von uns selbst, und entwickeln Demut. Diese Stufe fördert außerdem Ehrlichkeit und ermöglicht uns eine realistischere Selbsteinschätzung.
Absolute Ehrlichkeit ist dabei von größter Bedeutung.
Die Seiten unseres Selbst, die wir lieber vermeiden, kontrollieren uns. Wir müssen bereit sein, diese dunklen Seiten anzusehen, um unsere Herzen und unseren Geist zu heilen, und auf diese Weise erlangen wir wahre Freiheit.
Um das Licht zu finden, müssen wir durch die Dunkelheit gehen, und um inneren Frieden zu finden, müssen wir unsere Ängste überwinden.
Indem wir unsere Geheimnisse offenlegen und uns von Schuld befreien, ermöglichen wir eine Änderung unseres Denkens. Diese Änderung unseres Denkens führt zu einer Veränderung unseres Selbst.
Unsere Gedanken formen unsere Zukunft.
Wie wir morgen sein werden, hängt davon ab, was wir heute denken.
Die sechste Stufe markiert einen entscheidenden Schritt in unserer spirituellen Entwicklung, wie es ein respektierter Geistlicher, ein enger Freund der A-h-A-Gemeinschaft, erklärt hat.
Er erklärte dies folgendermaßen: Jeder, der die Bereitschaft und Ehrlichkeit aufbringen kann, um die sechste Stufe ohne Vorbehalte auf all seine Charakterfehler anzuwenden, zeigt einen deutlichen Fortschritt in seiner geistigen Entwicklung. Ein solcher Mensch verdient die Bezeichnung "Erwachsener", weil er ernsthaft danach strebt, geistig zu wachsen. Bin ich wirklich bereit, meine Charaktermängel anzuerkennen und daran zu arbeiten? Habe ich erkannt, dass ich allein nicht in der Lage bin, mich selbst zu heilen? Ja, ich glaube, dass ich es nicht kann.
Wenn ich an den Punkt gelange, an dem meine besten Absichten sich ins Gegenteil verkehren, meine Wünsche egozentrisch sind und mein Wissen und Wille nicht ausreichen, dann bin ich bereit, den Willen Gottes in mein Leben einzulassen.
Einige meiner Charakterfehler mögen mich vielleicht ein Leben lang begleiten, aber die meisten haben sich vermindert oder sind verschwunden. Die sechste Stufe erfordert lediglich, dass ich meine Fehler benenne, sie anerkenne und mich heute davon befreie, wo immer es möglich ist. Mit der Zeit werden mir immer mehr Fehler bewusst und können für mich belastender sein als zuvor, weshalb ich die sechste Stufe wiederholen muss. Dies ermöglicht mir, glücklicher mit mir selbst zu sein und meine innere Ruhe zu bewahren.
In dieser Stufe geht es darum, die Bereitschaft zu entwickeln, sich bei den Menschen zu entschuldigen, denen wir durch unser Verhalten im Zusammenhang mit unserer Sucht Schaden oder Kummer zugefügt haben.
Warum sollte das notwendig sein? Es hat nichts mit Schuld oder Strafe zu tun, sondern vielmehr mit Verantwortung und Heilung.
Hier ist, was wir beachten sollten:
- Innere Ruhe: Wir müssen inneren Frieden finden, um unsere eigenen Fehler und die Auswirkungen unserer Sucht auf andere klar zu erkennen.
- Der richtige Zeitpunkt: Es ist wichtig, den geeigneten Zeitpunkt für Entschuldigungen abzuwarten, wenn sowohl wir als auch die betroffenen Personen bereit dafür sind.
- Mut und Besonnenheit: Mut bedeutet hier, das Risiko einer Entschuldigung bewusst einzugehen, ohne voraussehbare negative Folgen zu verursachen.
- Die richtige Einstellung: Eine positive Einstellung ist entscheidend. Wir erkennen, dass Wiedergutmachung ein Schritt zur Genesung ist, bei dem wir uns verantwortlich fühlen.
- Unterschiede in der Wiedergutmachung: Es gibt verschiedene Arten der Wiedergutmachung. Manche Menschen können wir sofort ansprechen, wenn wir sicher sind, dass wir stabil in unserer Nüchternheit sind. Bei anderen ist Vorsicht geboten, da eine zu frühe Entschuldigung mehr Schaden als Nutzen anrichten könnte.
- Die eigene Entwicklung: Die siebte Stufe erinnert uns daran, dass die persönliche Entwicklung ein fortwährender Prozess ist. Wir sollten alte Probleme beseitigen, um uns nicht von ihnen erdrücken zu lassen.
Die 7. Stufe zeigt den Weg zu einer stabilen Nüchternheit und erinnert uns daran, dass Verantwortung und Heilung wichtige Schritte auf unserem Weg sind.
Nachdem wir in den ersten sieben Stufen auf die Idee eines neuen Lebens vorbereitet wurden, beginnen wir in der achten Stufe damit, unser Leben gemäß den Prinzipien von A-h-A in die Praxis umzusetzen.
Wir machen die Selbstreflexion zur Gewohnheit. Das bedeutet, dass wir unsere Fehler erkennen, sie akzeptieren und geduldig daran arbeiten, sie zu korrigieren.
Wenn wir uns mit unserer Vergangenheit versöhnen, können wir uns besser den Herausforderungen der Gegenwart stellen. Gefühle wie Ärger, Groll, Eifersucht, Neid, Selbstmitleid und verletzter Stolz haben oft zu unserem Alkoholkonsum geführt. Daher ist es wichtig, Selbstkontrolle zu erlangen.
Nun erfolgt die Prüfung: Können wir nüchtern bleiben? Können wir unser inneres Gleichgewicht bewahren? Werden wir unseren Zielen und Prinzipien treu bleiben, auch wenn es schwierig wird?
Wenn wir uns verletzt oder beleidigt fühlen, sollten wir kontinuierlich in uns selbst nach den Gründen suchen, unsere Fehler eingestehen und daran arbeiten, sie zu beheben.
Die achte Stufe ermutigt uns, das, was wir gelernt haben, in die Tat umzusetzen und an unserer persönlichen Verbesserung zu arbeiten, um ein erfülltes und nüchternes Leben zu führen.
Was bedeutet Demut und wie wirkt sie sich auf unser Leben aus?
Demut ist die Bereitschaft, anzuerkennen, dass wir nicht perfekt sind und dass wir Hilfe von einer höheren Macht oder einer anderen Quelle benötigen, um unsere Schwächen und Fehler zu überwinden. Es ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur inneren Freiheit und persönlichen Weiterentwicklung.
Demut bedeutet nicht, sich minderwertig zu fühlen oder sich selbst schlecht zu machen. Es bedeutet vielmehr, realistisch über unsere Fähigkeiten und Grenzen nachzudenken und bereit zu sein, Unterstützung anzunehmen, wenn wir sie benötigen.
In dieser Stufe geht es darum, unsere Selbstsicht zu ändern und uns unserer Abhängigkeit von einer höheren Macht bewusst zu werden. Es ist ein Schritt in Richtung Heilung und Wachstum, bei dem wir lernen, unsere Schwächen zu akzeptieren und nach Hilfe zu suchen, um uns zu verbessern.
Die neunte Stufe ermutigt uns, Demut als eine positive Kraft zu verstehen, die uns dabei hilft, unsere Schwächen zu überwinden und ein besseres Leben zu führen.
Wenn wir gemeinsam unseren Drang zum Trinken besiegen können, ist das ein positives Gefühl. Dankbarkeit ist ein weiteres positives Gefühl.
Menschen, die Dankbarkeit empfinden, sind in der Regel glücklicher, weniger anfällig für Depressionen und Stress und zufriedener mit ihrem Leben. Sie haben bessere Kontrolle über ihre Umgebung, persönliches Wachstum und Lebenszweck.
Dankbare Menschen haben auch eine positivere Herangehensweise an Schwierigkeiten in ihrem Leben. Sie suchen wahrscheinlich Unterstützung von anderen, lernen aus diesen Erfahrungen und planen sorgfältiger, wie sie mit Herausforderungen umgehen können.
Es scheint eine starke Verbindung zwischen Dankbarkeit und geistiger Gesundheit zu geben. Dankbarkeit entsteht aus Demut, aus dem Wissen, dass Geschenke und Unterstützung nicht selbstverständlich sind.
Für dankbare Menschen bringt das Glückliche noch mehr Glück. Sie schlafen oft besser, wahrscheinlich weil sie vor dem Schlafengehen weniger negative Gedanken, sondern mehr positive Gedanken haben.
Die 10. Stufe ermutigt uns dazu, unsere Abkehr vom Trinken als ein positives und dankbares Gefühl zu betrachten und zu schätzen, wie Dankbarkeit unsere geistige Gesundheit und Lebensqualität beeinflussen kann.
Nachdem wir gemeinsam zehn Schritte in unseren Gesprächsrunden durchlaufen haben, kommen wir unserem Ziel näher.
Durch ein bewusstes und eigenverantwortliches Leben gewinnen wir Selbstachtung. Selbstachtung bedeutet, dass wir uns selbst wertschätzen, Selbstvertrauen haben und ein positives Selbstbild entwickeln.
Ein starkes Selbstvertrauen ist wichtig, um in bestimmten Situationen (zum Beispiel, um "Nein" zu sagen) erfolgreich zu sein. Das Wort "Nein" kann für sich alleine stehen und ist ein wichtiger Ausdruck unserer Selbstachtung.
Lebensfreude ist die Freude, die wir am Leben selbst empfinden. Sie beinhaltet Selbstbewusstsein, Optimismus, Vitalität, Kreativität und Glück. Lebensfreude steht im Gegensatz zur Depression.
Jede Person, die dem A-h-A-Programm beitritt und an den Gruppengesprächen teilnimmt, verdient Anerkennung für ihren Mut und ihren Einsatz auf dem Weg zur Selbstwertsteigerung und Lebensfreude.
Ab jetzt beginnen wir, alle zwölf Stufen in unserem täglichen Leben anzuwenden, um innere Zufriedenheit für uns und die Menschen in unserer Umgebung zu finden.
Geistige Gesundheit ist wie ein spirituelles Erwachen, und wir empfangen sie als ein Geschenk. Als ich weiterhin an den Gruppengesprächen teilnahm, begann sich etwas in mir zu verändern. Anfangs war ich verwirrt, weil ich nicht genau wusste, was passierte, aber dann erkannte ich, dass ich GELASSENHEIT verspürte. Das war ein gutes Gefühl, aber ich fragte mich, woher es kam. Jetzt ist mir klar geworden, dass es aus dem Leben nach diesen Stufen resultierte.
Seitdem ich diese Stufen in allem, was ich tue, anwende und diese Prinzipien in meinem täglichen Leben lebe, habe ich mich für andere Menschen und für mich selbst geöffnet.
Es ist wichtig, darüber nachzudenken, wie viel Zeit wir in unserem Leben dem Trinken gewidmet haben. Wenn wir nun zwei Stunden für ein Gruppengespräch aufbringen können, ist das nicht eine vernünftige Investition in ein Leben auf der anderen Seite, ein Leben der Zufriedenheit und geistigen Gesundheit?
Unser Gelassenheitsspruch
Gott,
gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und
die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Gott,
gebe mir Geduld mit Veränderungen, die ihre Zeit brauchen und Wertschätzung für alles was ich habe,
Toleranz gegenüber jenen mit anderen Schwierigkeiten und
die Kraft, aufzustehen und es wieder zu versuchen
Unsere Partner



